Bis zum Mond und wieder zurück

I Promised You the Moon (แปลรักฉันด้วยใจเธอ/Plae Rak Chan Duai Chai Thoe, Thailand 2021)

 

In dem Kinderbuch Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab? (Guess How Much I Love You, 1994) von Sam McBratney, einem veritablen Bestseller, der auch heute noch gern vorgelesen wird, geht es um eine Mutter und ihren Sohn, die in den hübschen Illustrationen von Anita Jeram als Hasen dargestellt sind und ihre Liebe für einander in Worte zu fassen versuchen. Immer großartiger werden die Vergleiche, mit denen sie die Tiefe ihrer Gefühle umschreiben, bis der kleine Hase seiner Mutter versichert, seine Liebe zu ihr würde bis zum Mond und wieder zurück reichen. In der thailändischen Serie I Promised You the Moon sind es zwei junge Männer, Teh und Oh-aew, die einander ihre Liebe beteuern. Sie nehmen Abschied von Phuket, wo sie in der ersten Staffel mit dem nicht minder poetischen Titel I Told Sunset About You eine Kindheit als beste Freunde verlebt, als Jugendliche ihre Liebe füreinander entdeckt und einander am Ende vor dem angesprochenen Sonnenuntergang auf einem Hügel über dem Meer gestanden haben. Nun kommen sie aus ihrem persönlichen Paradies in der Großstadt Bangkok und somit im Alltag ihrer Beziehung an.

In ihrem Roman Die Optimisten (The Great Believers, 2018) macht sich Rebekka Makkai Gedanken über die Vorstellung von lebenslanger Liebe. „Sie hatte ihn ein Leben lang geliebt“, heißt es darin. „So eine lange Zeit. Und oft hatte sie gedacht, dass eine Liebe vielleicht nur so lange halten konnte, wenn der andere tot war. Wäre es möglich, einen lebendigen, fehler­haften Menschen so viele Jahre zu lieben?“ Darum geht es im Grunde genommen auch in I Promised You the Moon – was von den Versprechungen, ein Leben lang für den anderen da zu sein, denn angesichts der Anforderungen der Realität übrigbleibt, und wie man als Paar mit genau diesem Problem umgeht.

Wobei diese zweite Staffel der Serie, so wie schon die erste, sich in erster Linie um die Emotionen kümmert, die mit solchen Fragen zu tun haben, mit den Wallungen des Herzens und den Qualen der Seele. I Promised You the Moon ist Herzschmerz pur in fünf Folgen des ständig steigenden Tränenflusses, ein wahres Crescendo der Rührung bis zum heiß ersehnten und dann auch gebotenen glücklichen Ende. Die langen, aber nie zu langen Folgen nehmen sich wieder viel Zeit zur Auslotung der Gefühlswelten der beiden Protagonisten und dabei für die Symbolik von Farbstimmungen, Schauplätzen und Blumen in ausgesuchten Bildkompositionen, deren musikalische Spiegelung von sanften Klavierakkorden bis zum großen Orchester reicht. Die geradezu magische Wirkung der Erzählung ist aber wieder vor allem den beiden grandiosen Darstellern „Billkin“ Putthipong Assaratanagul und „PP“ Krit Amnuaydechkorn zu danken, die die Geschichte und die Dialoge greifbar und authentisch machen. Die Seelenlandschaft ihrer Gesichter, die Verletzlichkeit in ihren Augen, die Tiefe ihrer Empfindungen zieht uns in den Bann des Ausdrucks, wie ihn nur ganz wenige Schauspieler hervorzurufen vermögen – und wenn ich jetzt abermals von Tränen zu sprechen beginne, lässt sich die Wiederholung nicht vermeiden. Diese sind in dieser Serie geradezu systemimmanent, sie tropfen bis strömen, vor Rührung oder Verzweiflung oder reinem Glück – und wehe, man ist beim Zuschauen so nah am Wasser gebaut wie Teh und Oh-aew!

Der Faktor an Originalität ist in dieser zweiten Staffel nicht so hoch wie in der ersten, die sich wie europäisches Arthousekino im Rahmen einer südostasiatischen „Boys Love“-Geschichte gerierte. Vielmehr versteht es Regisseur Tossaphon Riantong, an die Vorgaben anzuknüpfen, die sein brillanter Vorgänger Narubet Kuno in I Told Sunset About You setzte, und liefert auf diese Weise jene Art von Service, wie es sich die Fans der Serie zweifellos gewünscht haben. Schon bald nach Beginn der ersten Folge gelingt Riantong ein solcher wunderbarer Verbindungsfaden als Anschluss an die Stimmung der ersten Staffel. Teh und Oh-aew verleben vor dem Beginn des Studienjahres an der Schauspielschule noch einige unbeschwerte Stunden in einem Aquarium. Zu dieser Welt haben sie eine spezielle Beziehung – wir erinnern uns noch an die Szene ihres ersten Kusses, der unter Wasser und auf diese Weise verborgen vor ihren Familien und den Freunden stattfand. Jedenfalls ist jetzt das Titellied von I Promised You the Moon zu hören, ein Duett der beiden, in dem sie einander versichern, wie wunderbar es doch sei, jemanden zu lieben: „All I need is you, baby!/Only you complete me!“

Schließlich stehen Teh und Oh-aew vor einem bildfüllenden Becken, in dem Haie und Rocken majestätisch vorbeigleiten. Dass seine Mutter wisse, dass sie nun ein Paar seien, teilt Teh seinem Freund mit. Diesem ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken. Teh reicht ihm Kopfhörer und spielt eine Nachricht der Mutter auf seinem Handy ab. Darin bittet sie Oh-aew, auf ihren Sohn achtzugeben; die beiden sollten sich fleißig ihren Studien widmen und sie würde sich auf das nächste gemeinsame Essen in Phuket freuen. Oh-aew, wie immer nah am Wasser gebaut, hat Tränen der Rührung in den Augen, ich brauche es kaum zu erwähnen. Teh grinst und streichelt über seine Wange: Dann würden sie die Mutter nicht als beste Freunde wiedersehen, meint er, sondern als Paar. Ein Hai bewegt sich an ihnen vorbei, da küsst Teh Oh-aew rasch auf die Wange. Der Freund schaut sich erschrocken um, ob sie niemand im Raum gesehen habe. Die beiden stehen wie Scherenschnitte in einem südostasiatischen Schattenspiel vor der gläsernen Wand und dem bläulichen Licht des Wassers. Teh nimmt Oh-aews Hand, sie werfen einander lange Blicke zu, die Gitarrenmusik setzt aus – ein Herzschlagmoment. Und dann beugt sich Teh zu Oh-aew und küsst ihn auf den Mund. Es sind nur gedämpfte Stimmen im Hintergrund zu hören und Geräusche, als befänden sie sich unter Wasser, in dieser Spiegelung ihres allerersten Kusses. Wie damals befinden sie sich in ihrer eigenen Welt und der Kuss findet kein Ende. Doch dann zieht sich die Kamera von ihnen zurück und zu beiden Seiten werden die Silhouetten von Menschen sichtbar, die sich nicht um ihren Kuss kümmern und sich schon gar nicht daran stoßen. Ein sehr schönes Bild für die Entwicklung dieser Liebe, die sich nun nicht mehr im Verborgenen abspielt, sondern im öffentlichen Raum – als selbstbewusste junge Erwachsene stehen sie zueinander und zu ihrer Beziehung.

Der Aspekt mit dem Selbstbewusstsein hat, der serienbedingten Dramaturgie geschuldet, natürlich noch Entwicklungspotential. So erleben wir in der zweiten Folge Oh-aews Hadern mit der beträchtlichen Diskrepanz zwischen dem aus seiner Introspektion generierten und in der Interaktion mit Teh gereiften Berufswunsch eines Schauspielers und der Fremdwahrnehmung durch seine Umwelt. Sein Bemühen bei der Entwicklung der Rolle eines Schwulen gegenüber skeptisch agierenden Mannes im Unterricht auf der Uni erntet die Kritik der Lehrerin, er würde sich selbst im Wege stehen. Er hätte die Gesten, das Gehen, Stehen und Sitzen dieses Charakters nicht genügend geübt, urteilt sie mit dem verletztend klingenden Resumee, dass seine eigene Persönlichkeit zu sehr im Vordergrund stehe: „I understand that the real you and the character are completely different.“ Ohnehin immer rasch verunsichert, muss sich Oh-aew zudem bei dem Casting für einen Barrista anhören, für die Rolle zu feminin zu wirken: „Could you please be more manly?“ Oh-aew beginnt, mit sich selbst zu hadern – wer und was er ist, entspricht wohl nicht so recht den Rollenbildern, die seine Umgebung von ihm zu erwarten scheint. Da sich andererseits gleichzeitig erste Erfolge bei Arbeiten im Bereich von Werbung ergeben, trifft er schließlich eine Entscheidung und sattelt auf dieses Studium um. Sein beträchtliches Herzklopfen ob Tehs enttäuschter Reaktion wird sich bei einem gemeinsamen Bad aus nicht unbegründet erweisen.

Dass Oh-aew aus diesem Grund der nun unterschiedlichen Studienrichtungen nicht mehr so viel mit Teh zusammen sein kann, der seinerseits erste Erfolge am Theater sammelt, liegt auf der Hand und soll von nun an den roten Faden für kommende Konflikte zwischen den beiden bilden. Ein unterschiedlicher Arbeitsrhythmus, neue Bekanntschaften und Freundeskreise ohne große Schnittmengen – die beiden beginnen, sich auseinander zu leben. Sie verbringen immer weniger Zeit miteinander, ihre Gespräche versiegen wie die Häufigkeit von Sex. Oh-aew färbt sich die Haare in einer Aktion des Aufbegehrens orangerot und Teh fühlt sich zu einem jungen Mann namens Jai, seinem Regisseur bei einer Theaterproduktion, hingezogen.

In diesem Zusammenhang kommt es in der dritten Folge zu einer für das Genre ziemlich ungewöhnlichen Szene. Thailändische Erzählungen über gleichgeschlechtliche Liebe drehen sich ja meist eher um die tiefen Emotionen, darum, für den anderen da zu sein und das damit verbundene ausführliche Werben, als um handfeste Aktionen – ein gehauchter Kuss nach zwölf Folgen ist da zuweilen schon das höchste aller Gefühle. „Berührt zu werden war schon immer Yales Schwäche gewesen“, heißt es in dem bereits erwähnten Roman Die Optimisten über die Hauptfigur. Solche Berührungen sind Teh und Oh-aew merklich abgegangen, wenn sie nun ihre Sexualität quasi neu entdecken. Eigentlich wollte Teh in seinem Zimmer im Studentenwohnheim übernachten, doch er kehrt in das schicke Apartment seines Freundes zurück. Oh-aew schläft bereits, Teh legt sich neben ihn und streicht über seine Haare. Wohlig registriert Oh-aew im Halbschlaf diese Berührungen und rekelt sich ihnen entgegen. Die Kamera nimmt nun Tehs Blick ein, der Teile von Oh-aews Körper in Großaufnahme zu erkunden beginnt, sein Gesicht, die Brauen, die Nase, die Lippen. Spielerisch schnappt Oh-aew nach Tehs Fingern. Wie schon zuvor im Aquarium setzt die Musik aus, die Szenerie verharrt, bevor es zu einem Kuss kommt und die beiden übereinander herfallen – drängend, ja schon, doch auch nicht allzu heftig, eher auf zärtliche Weise. Immer wieder sind zwischen diese Bilder Erinnerungsfetzen von ihrem ersten Sex in Blautönen des Mondlichts auf einem Strand auf Phuket geschnitten. In Berry Jenkins berührendem Oscargewinner Moonlight (2016) erscheint die Haut der Protagonisten im Schein des Mondes blau, was als Symbolik für das Suchen und Finden der eigenen Schönheit, des wahren Selbst, zu verstehen ist. Aus der Einstiegsszene von I Promised You the Moon wissen wir, dass Teh und Oh-aew damals auf Phuket zum ersten Mal miteinander geschlafen haben; danach liegen sie auf dem Rücken nebeneinander im Sand, sie versprechen einander, immer beisammen zu bleiben und füreinander da zu sein, und die Wellen umspülen sie wie dereinst Deborah Kerr und Burt Lancaster in dem Klassiker Verdammt in alle Ewigkeit (From Here to Eternity, 1953). Diese Bilder vermischen sich mit der Wiederentdeckung ihrer Zweisamkeit Monate später in Oh-aews Wohnung. Am nächsten Morgen fallen Streifen fahlen Lichts durch die Jalousien auf das Bett. Oh-aew schmiegt sich wohlig an Teh und meint, dass sie das schon lange nicht gemacht hätten: Es sei wie ihr erstes Mal gewesen.

Doch für geraume Zeit auch das letzte. Oh-aew muss einen Kuss zwischen Teh und Jai mitansehen und weiß nicht, ob er den Beteuerungen seines Freundes, es hätte sich nur um eine Probe für das Theaterstück gehandelt, Glauben schenken soll. Jedenfalls gratuliert er ihm nach der gelungenen Aufführung mit einem Strauß Sonnenblumen, einer Referenz auf den Titel der ersten Serienstaffel, und beteuert ihm seine Liebe. Auf der anschließenden Party kommt es jedoch zum Bruch. Ein kleines Restaurant, es spielt eine Live-Band und Teh und Oh-aew werden dazu gedrängt, mitsammen ein Lied zu singen. Von einem schwarzen Meer ohne Liebe handelt der bedeutungsschwangere Text und um die Frage, ob sich Oh-aew denn fürchte. Doch nein, lautet die Antwort, denn er habe die Stimme des Freundes gehört, der seine Hand halte und sein Herz wärme. Sie schauen einander in die Augen: „Don‘t be scared!“ Doch in diesem Moment tritt die Musik dazwischen, ein bedrohlicher Ton drängt sich in den Vordergrund, dazu entgeht Oh-aew nicht, dass es Jai ist, der sich in Tehs Blickfeld befindet. Bewegungen und Empfindungen wie in Trance, da fällt Teh auf, dass Oh-aew in Tränen aufgelöst neben ihm steht: „I’m going home!“ Oh-aew läuft aus dem Restaurant, die Sonnenblumen nimmt er mit. Teh versucht, ihn aufzuhalten. „How long do I have to turn the blind eye?“, schneidet ihm Oh-aew aber, völlig aufgelöst, das Wort ab: „Do you think I’m that stupid?“ Er schlägt die Blumen gegen Tehs Brust, wirft sie dann auf den Boden und stürmt davon. Verzweifelt schluchzend, bleibt Teh zurück.

Die vielleicht stärkste Szene der Staffel, zweifellos jene, in der Billkin und PP mit den überbordenden Gefühlen ihrer Charaktere geradezu verschmelzen, findet sich in der vierten Folge, als es nach einem Versöhnungsversuch zwischen Teh und Oh-aew zur offenbar endgültigen Trennung kommt. Es ist geraume Zeit nach dem Streit im Restaurant, Oh-aew hat Zuflucht im Haus eines Freundes gefunden. Teh drückt sich davor herum, er trägt das hellblaue Hemd mit den roten Hibiskusblüten, das er schon im entscheidenden Moment in der ersten Staffel und dann auch beim Einzug ins Studentenheim zu Beginn der zweiten anhatte. Zuerst will man ihn nicht ins Haus lassen, doch Teh beteuert, dass alles nur seine Schuld sei und er unbedingt mit Oh-aew reden wolle. Dieser sitzt im stylish eingerichteten Wohnzimmer samt Glasfront zu einem Innenhof mit Pool mit dem Rücken zu ihm. Sogleich fällt uns auf, dass seine Haare nicht mehr rot gefärbt sind – das ist der Oh-aew von früher, doch, und auch das werden wir bald merken, dann auch wieder nicht. Teh setzt sich zu ihm, es herrscht lange Stille, Oh-aew meidet seinen Blick. Schließlich findet Teh Worte: Was er getan habe, sei unverzeihlich, er bitte Oh-aew dennoch, mit ihm zu reden. Oh-wae wendet sich ihm zu: „Do you love me?“ – „I do,“ bekrägtigt Teh. Wie es sich dann mit Jai verhalte, stellt Oh-aew in den Raum, und dass er sich Teh nie mehr sicher sein könne, denn er sei wohl nicht in der Lage, ihm zu geben, was er brauche. Der Schluss: „We should break up.“ – „Please don’t do this!“, fleht Teh. Und Oh-aew: „But I‘m hurt!“ Über die Menge von geschluchztem Tränenfluss in Szenen wie dieser habe ich bereits geschrieben, hier gibt es kein Halten mehr. Teh nimmt Oh-aew in den Arm und reibt seine Schultern: Er wolle immer an seiner Seite sein. Schon möchten wir an eine Versöhnung glauben, schon können wir uns vorstellen, wie Oh-aew an seine Brust sinkt. Doch nein: „Get the hell away from me“, begehrt er auf. „I don’t want to see your face again. Get out.“ Es ist unglaublich, welche Dramen sich in Billkins und PPs Gesichtern, im Speziellen in ihren Augen, in diesen Momenten abspielt – wir kennen Ähnliches eigentlich nur von Timothée Chalamet in den letzten Minuten von Call Me By Your Name.

Am Ende der Folge unterzeichnet Teh einen Vertrag mit einer Agentin – sein Weg in eine Zukunft als Schauspieler geht einher mit dem Abbrechen der Brücken in seine Vergangenheit. Die Agentin drängt ihn, sämtliche Fotos in sozialen Medien, die ihn mit Oh-aew zeigen, zu löschen: Zu einem späteren Zeitpunkt könnten diese seine Karriere behindern. Teh drückt „delete“ und wir zweifeln nun wirklich an der Möglichkeit eines Happy End. Dass sich ein solches doch noch einstellt, hängt mit einem Gedankengang zusammen, den der Pulitzerpreisträger Adam Johnson in seiner Kurzgeschichte „Interesting Facts“, erschienen in der Sammlung Fortune Smiles (2015), einer an Brustkrebs erkrankten Frau ihrem Ehemann gegenüber in den Mund legt: „I miss talking with him. I miss how nothing seemed like it really happened unless we told each other about it.“ Sich einfach nicht ganz fühlen ohne den anderen – zwar haben sowohl Teh, als auch Oh-aew Erfolg in ihren Studien- und Berufsfeldern und gewinnen in der Folge an Selbstvertrauen und innerer Stärke, dennoch spüren beide, dass etwas in ihrem Leben fehlt – wenngleich sie (noch) nicht in der Lage sind, dies vor sich selbst und dem anderen einzuräumen.

Monate später besucht Oh-aew die Aufführung des von Teh verfassten und inszenierten Theaterstücks, das denselben Titel wie die erste Serienstaffel trägt. Natürlich geht es um ihre Kindheit und Jugend und die Liebe, die damals entstand. Dass sie ihren Weg miteinander gehen und immer zusammen sein wollten, versichern die Darsteller ihrer Rollen einander auf der Bühne. Da hält es Oh-aew nicht mehr auf seinem Sitz. Teh, der die Szene aus dem Hintergrund mitangesehen hat, folgt ihm. In der Tiefgarage treffen sie vor einer Säule mit dem Plakat des Stücks aufeinander. Wie schon zuvor, entschuldigt sich Teh für sein Fehlverhalten und gesteht, realisiert zu haben, dass er ohne Oh-aew nicht leben könne: „The one I’ve been looking for is always you, in the end.“ Er habe in seiner anlaufenden Karriere so viele neue Leute kennengelernt und Aufmerksamkeit erhalten, doch all dies würde angesichts seiner Liebe zu Oh-aew nichts bedeuten. Und er wagt die große Frage: „Can we start all over again?“ Doch noch immer sind Oh-aews Wunden nicht verheilt: Habe er denn wirklich Liebe gefühlt? Wie habe er ihn dann betrügen und wie solle er ihm jetzt wieder vertrauen können? Teh gibt sich noch nicht geschlagen: „You asked me never to disappear“, erinnert er ihn an den Beginn ihrer Liebe. „What if I asked you the same today?“ Aber nein, Oh-aew reicht ihm die mitgebrachte Sonnenblume und wünscht ihm Erfolg, lässt ihn aber allein zurück.

Doch das Finale und damit die Erlösung für die ungewiss-bangende Seele der Fans ist nicht mehr weit – nach all den Verzögerungen erscheint sie sogar etwas abrupt. Tehs Bruder feiert Hochzeit mit seiner japanischen Freundin, Schauplatz ist das Resort von Oh-aews Eltern nahe Phuket, das wir schon aus der ersten Staffel kennen. Die Gruppe von Freunden von damals kommt wieder zusammen und unvermutet taucht auch Oh-aew auf. Natürlich behandelt Tehs Mutter ihn wie einen Sohn, natürlich ist er es, der den Brautstrauß aus weißen Rosen fängt. Teh trägt einen blauen Anzug, Oh-aew einen schwarzen und ein extravagantes weißes Hemd mit besonders langen Ärmeln. Als die Festivitäten zu Ende sind und sich Teh und Oh-aew allein am Strand wiederfinden, passen diese Farben perfekt zum abendlichen Dämmerlicht. Ein Schiff am Horizont, das Rauschen der Wellen im Hintergrund, dazu die Musik, die diesmal in einen Chor mündet – viel romantischer geht es nun wirklich nicht.

Nachdem er Tehs Versuche der Annäherung immer wieder zurückgewiesen hat, ist es nun Oh-aew, der die Nähe des anderen sucht. „I thought you weren’t coming“, stellt dieser fest. „I asked you not to ever disappear from me, then how could I disappear from you?“, lautet Oh-aews Erklärung, die eigentlich schon alles vorwegnimmt. Er habe über sie beide nachgedacht, versucht sich Oh-aew nun zu erklären. Sie beide hätten sich verändert und sie würden sich weiter verändern: „Look at you and me now. We’re not the same people as on the first day we fell in love with each other anymore.“ Teh habe in einem früheren Gespräch gemeint, niemand könne ihn ersetzten, und dies würde auch auf ihn zutreffen: „I still want to see you every day.“ Während dieser Worte laufen Rückblenden auf Szenen ihrer Liebe ab, die vielleicht auch Teh und Oh-aew vor ihrem inneren Auge reflektieren. Dazu spricht Oh-aew über Tehs Lächeln und seine Grübchen; und schließlich das Bild der beiden vor dem Sonnenuntergang im Finale der ersten Staffel und die Worte „I miss you.“ Und als wäre dies nicht schon genug an überbordenden Emotionen, formuliert Oh-aew den Plan für ihr gemeinsames Leben: „We don‘t have to promise we‘re gonna love each other forever. We don‘t have to expect that things will be the same and never change.“ Alles, was er wolle, sei, mit Teh zusammen zu sein. „And if we ever have any problems, can you come talk to me? And we can fix it together. And we won‘t give up so easily. Could it be like that?“

Natürlich kann es. Eine ganz enge Umarmung, Oh-aews Tränen – wieder einmal wirkt die Performance der beiden Darsteller unglaublich echt – hinterlassen einen feuchten Fleck auf Tehs Sakko. Er reicht ihm den Brautstrauß. „Not a sunflower this time?“, scherzt Teh. – „Are you gonna take it?“ Welch Frage. In Großaufnahme sehen wir ihre Hände um den Strauß. „It‘s like you asking me to marry you“, neckt ihn Teh. Und Oh-aew, in gespielter Entrüstung: „What are you talking about?“ Und sie beugen sich in Zeitlupe zueinander und wir sehen einen langen Kuss aus verschiedenen Kameraperspektiven. Davon, dass Teh ein Foto von ihnen beiden mit der Unterschrift „I do“ auf Instagram postet, ist Oh-aew nicht begeistert: Er befürchtet negative Konsequenzen für den Freund. Das sei dann das erste Problem, das sie gemeinsam lösen würden, ist Tehs liebevoller Kommentar. Und dann gehen sie, den Arm um den anderen gelegt, den Strand entlang ihrer Zukunft entgegen.