Die neuen alten Leiden der jungen Männer

Alles wegen Benjamin (FR 2002)

Circus of Books (USA 2019)

Giant Little Ones (Kanada 2018)

Handsome Devil (Irland 2016)

Mit siebzehn (Frankreich 2016)

Was in der amerikanischen Variety als Szene „von lyrischer Schönheit“ bezeichnet wurde, beginnt mit einem Jungen, Roman, der in einen Pool und bis zum Boden hinab taucht. Dort bleibt er, die Arme und Beine liegen auf den Kacheln auf. Es ist ein Zustand des Schwebens; Luftblasen haben sich in seinen Haaren verfangen, Roman hat die Augen geschlossen, kaum bewegt er den Kopf. Im Wasser sehen wir die Beine anderer Jungen, die am Beckenrand sitzen. Einer von ihnen springt ins Wasser, hält dort Ausschau nach Roman, sein Ausdruck schwankt zwischen Sorge und Belustigung, andere folgen ihm. Doch Roman reagiert nicht auf sie, ganz still und gelassen liegt er da. In dieser fast meditativen Ruhe sind wir ganz bei ihm, doch was in ihm in diesen Augenblicken wirklich vorgeht, können wir nur erahnen. Roman ist neunzehn und steht kurz vor der möglichen vorzeitigen Entlassung aus der Jugendstrafanstalt. Als verschlossener Einzelgänger und ohne Rückhalt durch Freunde und Familie scheint er für eine Resozialisierung aber schlechte Karten zu haben. Diese Last und besonders der Mord, den er begangen hat, und die Erinnerung an den Jungen, den er zu Tode brachte, ziehen ihn nach unten und halten ihn am Boden des Pools. Aber Roman hat Arbeit in einem Wiener Bestattungsunternehmen gefunden – es scheint, als würde dieser Umweg über den Tod Roman zurück ins Leben führen, wie auch zum Auftauchen aus dem Pool. Denn auf einmal beginnen sich Luftblasen zwischen seinen Lippen hervorzudrängen, und es ist, als wäre Roman aus einem langen Schlaf erwacht. Er stößt sich ab und beginnt, nach oben zu schwimmen, zur Luft, ins Licht, in Richtung eines neuen Lebens.

Atmen (2012), die erste Regiearbeit des österreichischen Schauspielers Karl Marcovics, ist ein unaufdringlich-realistisches Meisterstück der Lebensbeschreibung eines Teenagers mit höchst problematischem sozialem Hintergrund, das immer wieder das Mienenspiel im Gesicht des Hauptdarstellers Thomas Schubert fokussiert, aus dem wir all die Scham, die Zweifel und die Angst lesen können, die den Burschen im Pool und im Leben zu Boden drücken. Roman ist nicht schwul und Karl Markovics geht es um Coming-of-Age, jedoch nicht um Coming-out; dennoch kann uns der nüchtern-klare Blick des Streifens, wenn es um die Analyse einer eingeschüchterten jugendlichen Seele geht, Wegweiser sein und Hilfestellungen geben beim Verständnis einer kleinen Auswahl an Filmen über die Probleme schwuler Heranwachsender. Die Leiden dieser jungen Männer mögen für sie überaus heftig sein, wirklich neu sind sie für den filmkundigen Betrachter nicht. Charlie Chaplin war es, der 1921 sich in seinem Film The Kid allen Ratschlägen seiner Umgebung zum Trotz zum ersten Mal an die Kombination der zwei bis zu diesem Zeitpunkt als völlig unvereinbar erscheinenden Komponenten des Tragischen einerseits und Komischen auf der anderen Seite wagte – eine, wie sich bald erweisen sollte, kongeniale Mischung, die Chaplin zudem mit bis heute wegweisender fluiden Eleganz gelang. In diesem Sinne ist der positiv-lebensbejahende Ton dieser Filme trotz ihrer dramatischen Grundfärbung mit Themen wie Homophobie und Mobbing sehr erfrischend: In diesen – nennen wir es mal so – romantischen Dramödien um Teenager auf der Suche nach ihrem Platz im Leben ist im Gegensatz zu schwulen Filmen aus früheren Dekaden heutzutage ein Happy End durchaus möglich.

Wie Atmen arbeiten auch der französische Film Alles wegen Benjamin und die kanadische Produktion Giant Little Ones mit dem Element des Wassers, die beiden Protagonisten sind begeisterte Schwimmer. Ein Schelm, wer dabei vielleicht auch den visuellen Wert halbnackter Körper denkt. Jedenfalls ist der siebzehnjährige Vincent im erstgenannten der beiden Filme der Star des Schwimmteams seiner Schule, in diesem Umfeld erhält er auch allenthalben Anerkennung für seine Leistungen. Und doch erfährt Vincent genau in diesem Zusammenhang die herbe Enttäuschung schmerzhafter Zurückweisung. Ganz direkt und unverfälscht vermittelt uns der junge Darsteller Julien Baumgartner die Qualen eines, der mit den Reaktionen der anderen nicht klarkommt, ja gar nicht klarkommen kann, weil sie so gar nicht mit seinen bisherigen Erfahrungen übereinstimmen. Sein Kontakt zu dem im Titel des Films genannten Benjamin bleibt nicht verborgen und es kommt zu einem unfreiwilligen Outing – die gesamte Schule weiß über Nacht von Vincents bislang verborgenen Homosexualität Bescheid. Dass er sich seinen Freunden und Eltern gegenüber eigentlich längst outen wollte, erklärt Vincent seinem besten Freund Francois (Francois Comar), als dieser in ihn dringt, weshalb er sich ihm denn nie anvertraut habe. Täglich habe er die Lüge leben müssen, räumt Vincent seine Furcht ein, dass sich Francois von ihm abgewandt hätte, wäre er ehrlich gewesen. Doch dieser kontert: Sie seien beste Freunde seit ihrer Kindheit, nichts habe sich daran geändert, dass er sein Kumpel sein wolle.

Eine so glatte Lösung vergönnt Regisseur Fabrice Cazeneuve seinem Protagonisten aber nicht – Vincent sieht sich alsbald ärgstem Mobbing ausgesetzt. Die unverhohlene, offen zur Schau gestellte Abneigung der anderen Jungen im Schwimmteam treibt ihn kurz darauf zur Flucht aus dem Becken und dem Bad – es ist geradezu herzzerreißend, ihn leiden zu sehen. Der Text des Liedes „You Will Be Found“ aus dem im Jahr 2015 uraufgeführten Musical Dear Evan Hansen könnte als Spiegelung von Vincents Gefühlen in diesem Moment dienen: „Have you ever felt like nobody was there?/Have you ever felt forgotten in the middle of nowhere?/Have you ever felt like you could disappear?/Like you could fall, and no one would hear?“ Sich so alleingelassen und einsam zu fühlen, dass niemandem sein Verschwinden auch nur auffallen würde – Evan Hansen, der Teenager ohne Freunde und stattdessen mit einem Rucksack an sozialen Ängsten, steht für Vincent und alle anderen jungen Männer am Rande ihrer oft schmerzhaften Selbsterfahrungen. Den Weg aus Rückzug und Depressionen zu finden, ist nicht leicht, da bedarf es oftmals einer helfenden Hand, die im Fall von Vincent von seinem Schwimmtrainer (Bernard Blancan) ausgestreckt wird. Von einem Moment auf den anderen aus den sozialen Strukturen katapultiert, die ihm bislang Sicherheit gaben, droht Vincent in die Verzweiflung abzugleiten. Der Trainer und er befinden sich in der Turnhalle, Vincent umklammert mit den Händen eine Reckstange – wie sehr er nach Halt sucht, ist offensichtlich. Sein Trainer ist aufgebracht, er wirft Vincent vor, einfach wegzulaufen und alles aufzugeben, wofür er doch so lange Zeit trainiert habe: „Du musst Hilfe akzeptieren. Sonst rennst du gegen Wände.“ Darauf Vincents trotzige Reaktion: „Woher wollen Sie wissen, was ich gerade durchmache?“ Da wird der Trainer ruhiger: Sie würden hier nicht über ihr Privatleben sprechen, meint er, dafür seien sie nicht hier – was wisse Vincent denn über ihn? Doch eines sei klar: „Du musst wieder zurückkommen, du musst kämpfen.“ Die Kamera ist den beiden in dieser Szene ganz nah und dabei unruhig wie ihre Emotionen, wie das Klopfen von Vincents Herz. „Zeig ihnen, dass du der Stärkere bist,“ dringt der Trainer in ihn, denn: „Sie würden sich freuen, wenn sie dich scheitern sehen.“ Verunsicherung, Skepsis, immer wieder ein Aufflackern von Hoffnung in Vincents Zügen. „Ist es dir noch nie aufgefallen, dass es keinen interessiert, wenn ihr Friseur schwul ist?“, fragt ihn da der Trainer und stellt den Bezug zu Vincents Situation her: „Sie denken, das ist normal. Nun musst du ihnen zeigen, dass du zwar an Jungs interessiert bist, aber deswegen nicht gleich einen Blumenladen aufmachen wirst und nie mehr schwimmst. Zeig ihnen, dass du es kannst!“ Er hält ihm die Hand hin, Vincent schlägt ein, ein Lächeln, ein befreites Lachen auf seinem Gesicht; er schwingt sich unter dem Reck durch wie ein Kind im unbeschwerten Spiel.

Wenn Vincent später in seinem Zimmer nackt vor dem Spiegel steht, in der Reflexion sein Kopf aber abgeschnitten und deshalb nicht zu sehen ist, und über seinen Körper streicht, als wäre es der eines anderen, ergibt dies ein sinniges Bild seiner Suche nach sich selbst und seinem Platz im Leben. Seine Eltern jedenfalls versichern Vincent, ihn unterstützen zu wollen, ganz egal, wie sich die Dinge entwickeln würden. Nach anfänglichen peinlichen Momenten versichert ihm sein Vater bei einem gemeinsamen Essen seine Liebe. Doch wolle er wirklich einmal mit einem Mann leben und riskieren, dass ihn die Leute anstarren? Dass er keine Ahnung habe, wie sich seine Zukunft gestalten würde, antwortet Vincent, und ob er jemanden finden würde, mit dem er zusammenleben wolle: aber wenn, dann habe er vor, es in vollen Zügen zu genießen: „Ich schäme mich nicht, schwul zu sein, und ich werde deswegen nicht mehr lügen.“

Ein anderer Vater, eine eigentlich unumwunden positive Reaktion, wenngleich mit denkbar problembehafteten Vorzeichen. In der Netflix-Dokumentation Circus of Books entwirft die amerikanische Regisseurin Rachel Mason das faszinierende Porträt ihrer Eltern Karen und Barry. Das jüdische und bürgerlich lebende Ehepaar betrieb seit Mitte der 1970er-Jahre bis vor kurzem den titelgebenden Sexbuchladen in Los Angeles und wurden dadurch auch zu Produzenten von schwulen Hardcore-Pornos. In diesem Zusammenhang standen sie in engem Kontakt mit der queeren Community und wurden zu unverzichtbaren Bezugspersonen für schwule Männer. In ihrem Doppelleben gelang es ihnen, den Laden und die Umstände ihres Gelderwerbs von ihren Kindern weitgehend fernzuhalten – ein Umstand, der durchaus auch schwerwiegende Konsequenzen auf das Familienleben hatte. Dies zeigt sich etwa in dem überaus berührenden Interview der Filmemacherin mit ihrem schwulen Bruder Josh. In diesem Lebensumfeld kaum zu glauben: Sein Outing stellte für Josh lange Zeit eine geradezu unüberwindliche Hürde dar. In der Familie wurde stets übers Heiraten und Kinderkriegen gesprochen, als sei es einfach selbstverständlich, heterosexuell zu sein: „Nobody sort of questioned it.“ So versuchte Josh seine sexuelle Orientierung geheim zu halten, „‘cause being gay was not acceptable.“ Und er fügt hinzu: „I think I was kind of actively ignoring all the gay issues in the world.“ Die Kommunikation zwischen der Schwester, die ihn vor der Kamera interviewt, und dem Bruder, der diese Dinge zum ersten Mal offen auszusprechen scheint, macht beim Zuschauen wirklich betroffen. „I did what I could to keep myself out oft he gay category but I wasn‘t good enough to be heterosexual“, räumt Josh ein. „So I was just asexual.“ Im Weiteren beschreibt Josh den Druck, den er sich selbst als Teenager auferlegte, auch jenen, Mädchen zu daten. Er wollte ein konventioneller Jugendlicher sein und flüchtete vor der Einsicht in sein wahres Selbst in die Betäubung durch die unablässige Betätigung mit Sport. Auf die Frage seiner Schwester, weshalb er sich denn nicht einmal ihr gegenüber geoutete habe, meint er: „Your world was too gay.“ Der psychische Stress, dem sich Josh damals durch die reine Vorstellung eines Outing ausgesetzt sah, ist in einer sehr durchdachten Aussage spürbar: „So it probably wasn‘t until after high school that it even started to enter my mind as an option. And it wasn‘t really until college that I sort of started transitioning from where I was outwardly towards who I felt I was inwardly.“

Von der Negierung des wahren Selbst zu seiner Akzeptanz, ja Umarmung. Es kam es zu dem Abend, an dem Josh sich seinen Eltern gegenüber zu erkennen gab. Er erzählt, dass er den Rückflug zum College bereits fix gebucht hätte, weil er damit geradezu rechnete, von den Eltern aus dem Haus geworfen zu werden. Am Esstisch habe er dann all seinen Mut zusammengenommen. Er habe die Worte auf ein Post-it geschrieben: „I‘m gay.“, es auf dem Tisch liegen gelassen und sei in sein Zimmer geflüchtet. Die erste Reaktion seiner Mutter Karen war auch dementsprechend niederschmetternd: „God must be punishing me.“ Im Interview reflektiert Karen ihr damaliges Verhalten: „I was fine with anybody who was gay as far as I was concerned, but I really wasn‘t prepared to have a gay child.“ Ganz anders der Vater Barry, der nach eigener Aussage einfach überrascht gewesen sei, dass Josh seine wahre Identität so lange geheim gehalten habe. Er brachte seinen Sohn am nächsten Tag zum Flughafen und gab ihm einen Satz mit, der seine Liebe offenbart und das, worum es ihm in erster Linie ging: das Wohl seines Kindes. „You know“, sagte Barry, „men can take advantage of other men just as much as men can take advantage of women.“

Der Dokumentarfilm zieht die Bezugslinie bis heute. Auch Karen ist mit Josh wieder ins Reine gekommen. Sie habe viel gelernt, räumt sie im Interview ein, über ihre Religion, das Judentum, über ihre eigene Weise, die schwule Welt als Teil ihres geschäftlichen Lebens vom privaten Bereich zu trennen, über ihre ganz spezifischen Vorurteile. Karen lernte, ihre Haltung zu ändern, und ist zur Aktivistin einer Gruppe von Eltern von Homosexuellen geworden, mit der sie in einigen Szenen der Dokumentation auf einer Schwulendemonstration in Los Angeles 2016 zu sehen ist. Der italienische Schriftsteller Cesare Pavese hat einmal geschrieben: „Die einzige Freude auf der Welt ist das Anfangen. Es ist schön zu leben, weil Leben Anfangen ist, immer, in jedem Augenblick.“ Solche schönen Momente des Neuanfangs hat nicht nur Circus of Books für Karen und ihren Sohn Josh bereit; ebensolch berührende Augenblicke Aufbruchs in ein selbstbestimmtes Leben haben alle hier besprochenen Filme gemein, die von der Überwindung der Leiden ihrer jungen Protagonisten berichten. In seinem Nachwort zu der Sammlung von Kurzgeschichten Schwule Nachbarn. 22 Erlebnisse (2007) schreibt der Herausgeber Detlev Grumbach: „Schwule nehmen die sozialen Verhältnisse, in denen sie leben, in besonderer Weise wahr. Sie sind durch die Erfahrung gegangen, dass diese Verhältnisse nicht für sie eingerichtet sind. Ihr Coming-of-Age ist, anders als das Drama jeder Pubertät, auch ein Coming-out: Das macht sensibel für Verhaltensmuster, Rollenerwartungen und Machtstrukturen.“

Einer, der dieses Drama vom Fallenlassen der Masken und der Lügen am eigenen Leib erfahren muss, ist auch Franky (überaus verletzlich und bewundernswert stark zugleich Josh Wiggins) in Keith Bermans Film Giant Little Ones. Ort der Handlung ist eine kanadische High School, in der es offenbar für junge Schwule wider Erwarten auch nicht angenehmer zugeht als anderswo. Als Grund, den Film zu machen, nennt Regisseur Bermann in der Tat Selbstmorde von queeren Jugendlichen einige Jahre zuvor – offenbar stellt auch Kanadas prominente Position in sämtlichen Indices der Akzeptanz von LGBTIQA-Personen keine Garantie des Schutzes vor negativen Erfahrungen dar. Abermals dient ein Schwimmteam als soziales Umfeld für den Protagonisten des Films, heteronormatives Verhalten ist darin angesagt. Franky hat dementsprechend auch eine Freundin Priscilla (Hailey Kittle), mit der zu schmusen ihm aber eigentlich nicht viel Spaß macht. Wichtiger sind für ihn die langen Gespräche mit seinem besten Freund Ballas (Darren Mann). Der Wendepunkt in Frankys Leben vom beliebten Jungen zum Außenseiter spielt sich in der Nacht seines siebzehnten Geburtstags ab, als er und Ballas betrunken Oralsex haben. In der Folge meidet ihn Ballas, aus unangenehmen Momenten entstehen unverhohlene Abneigung und blanke Aggression. Schließlich verbreitet Ballas das Gerücht, Franky habe ihn zum Sex verführt. Es ist eine überaus heftige Szene, in der er Franky von den Mitgliedern seines Schwimmteams brutal zusammengeschlagen wird – die Parallelen zu der sehr ähnlichen Szene in Alles wegen Benjamin sind offensichtlich.

In dieser Situation, in der er nicht nur sprichwörtlich am Boden liegt, erfährt Franky die Unterstützung einer Person, der gegenüber er bislang selbst Ablehnung gezeigt hat. Seit sein Vater Ray (Kyle MacLachlan, der legendäre Agent Cooper in Twin Peaks) die Familie nämlich für einen anderen Mann verlassen hat, war es Franky, der die zuweilen hilflosen Versuche seines Vaters, ein Gespräch oder eine gemeinsame Unternehmung anzubahnen, brüsk zurückgewiesen hat. Nun sucht er den Kontakt. Er besucht den Vater in der Wohnung, in der dieser mit seinem Partner lebt, und hier befinden wir uns in jener zu Herzen gehenden Situation, die ich als das Binden und Lösen von Knoten bezeichnen möchte.

Wie wichtig es ist, einen Menschen zu haben, dem man als Jugendlicher vertrauen kann und der Unterstützung anbietet, wenn sie vonnöten ist, zeigen zwei Szenen in Karl Markovics‘ Atmen. In der ersten werden Roman und ein Mitarbeiter aus dem Bestattungsinstitut zu einem Todesfall gerufen. Roman, dem in dieser Hinsicht jede Erfahrung fehlt, bittet den Kollegen (Georg Friedrich) um Hilfe beim Binden seiner Krawatte. Ob sie ihm bei der Gerichtsverhandlung denn sein Anwalt gebunden hätte, kriegt der Junge als unwirsche Abfuhr zu hören. Dass Roman allmählich den Respekt seiner Mitarbeiter gewonnen hat, zeigt sich, als sich diese Situation eine Zeitlang später wiederholt. Wir befinden uns direkt vor Roman, der seinerseits vor einem Spiegel steht und sich wieder mit der Krawatte abmüht. Da tritt der Kollege hinter ihn und zeigt ihm wortlos und Schritt für Schritt die Handgriffe vor. Er wartet ab, wenn Roman Schwierigkeiten hat, ihm zu folgen, und klopft ihm, als der Knoten gelungen ist, im Weggehen anerkennend auf die Schulter. Was in dieser Szene an Akzeptanz und Mutmachen, fast könnte man es Zärtlichkeit nennen, zwischen den beiden passiert, kommt ganz unspektakulär daher und geht trotzdem tief unter die Haut.

In einer der in dem Band Gerade gestern (2018) gesammelten ungemein charmanten Miniaturen über Dinge und Gewohnheiten, die im Laufe der letzten Jahrzehnte verloren gegangen sind, schildert der deutsche Feuilletonredakteur Martin Meyer das Binden und Tragen einer Krawatte als fast so etwas wie einen der letzten verbliebenen Initiationsriten. Er erzählt, dass er noch ein Kind gewesen sei, als er von den Eltern als Weihnachtsgeschenk seine erste Krawatte bekomme habe – und von der unglaublichen Wandlung, die mit ihm vorgegangen sei, als der Vater sie ihm um den Hals gelegt habe: „Ich genoss die Erhöhung, die ein harmloses Stück Stoff offenbar so nebenher auszulösen vermochte.“ In diesem Sinne geht auch mit Roman in Atmen und auch mit Franky in Giant Little Ones eine Art Verwandlung hin zum Erwachsenen einher. „Mut steht am Anfang des Handelns“, hat der griechische Philosph Demokrit vor rund 2400 Jahren geschrieben, „Glück am Ende.“ Der angesprochene Anfang ist gemacht, als sich Franky zum Besuch seines Vaters durchringt. Das ist eine Art des Luftholens, als ihm die Ignoranz und die Aggressivität seiner ehemaligen Freunde fast den Atem abschnürt. Frankys Vater ist erstaunt, seinen Sohn so zu sehen: mit Wunden im Gesicht, den geschorenen Haaren und der langen Naht auf dem Hinterkopf. Franky betritt zum ersten Mal die Wohnung und bewundert mangels anderer Gesprächsthemen die schöne Aussicht. Eine peinliche Situation: Der Vater redet über das Essen, er habe Pasta mit Frankys Lieblingssauce gekocht. Er bietet ihm eine Auswahl an Softdrinks an, Franky aber fragt nach Wein. Der Vater verbirgt sein Erstaunen und schenkt ihm ein – es ist klar, dass hier nicht mehr ein kleines Kind mit seinem Vater spricht.

Dann führt der Vater Franky ins Schlafzimmer, er habe ein Geschenk für ihn. Auf dem Bett liegt ein Anzug. Es geht nun nicht um das Binden von Krawatten wie in Atmen, sondern darum, ob die Jacke auch gut sitzt; der Effekt, dass die Zuneigung vom Vater schlicht und einfach guttut, ist aber derselbe. Franky probiert die Jacke an, der Vater streicht die Schultern glatt – er sei froh, dass er ihn für ihn gekauft habe: „You look sophisticated.“ Franky betrachtet sich im Spiegel; nicht nur sein zerschundenes Gesicht schreit geradezu davon, dass hier einer ist, der seinen Platz noch nicht gefunden hat. Vom Vater wie ein Erwachsener behandelt zu werden, macht Franky stärker und der Knoten, der seine Seele zugeschnützt hat, beginnt sich allmählich zu lösen. Seine Augen suchen nicht länger Halt an Unwichtigem, sondern konzentriert sich auf den Vater, als er ihn direkt fragt, wie er und sein Freund Brendan sich denn eigentlich kennengelernt hätten. Damit hat Ray merklich nicht gerechnet, doch er beginnt von einer geschäftlichen Beziehung zu erzählen, die Brendan und er gehabt hätten, und dass ihn Brendan eines Tages nach einem Meeting zum Kaffee eingeladen habe. Er habe mit der Begründung, eine Frau und Kinder zu haben, abgelehnt. Doch Brendan sei ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen: „I couldn’t stop thinking about him.“ Wann immer er ihn gesehen habe, sei es gewesen „as if I was hit by a giant wave and swept out at sea“. Schließlich sei er es gewesen, der eine neuerliche Einladung zum Kaffee ausgesprochen habe. Noch am selben Abend, bekräftigt Ray, habe er seiner Frau von Brendan erzählt. Wie er all die Jahre nicht wissen konnte, wer er wirklich sei, fragt ihn sein Sohn. Und Ray: Er habe sich in Frankys Mutter verliebt und eine Familie gründen wollen. Er liebe sie immer noch, aber eben auf andere Weise. Draufhin Franky: „Then maybe I don‘t know either.“ Denn es sei ganz natürlich gewesen, was zwischen Bellas und ihm passiert sei, jetzt hätten sie nur Angst. Dazu der Rat des Vaters, sehr leise, sehr ernst, ohne Schnickschnack in Schuss-Gegenschuss-Aufnahmen aufgelöst und vielleicht gerade deshalb fernab des Verdachts auf Kitsch: Franky solle es einfach zulassen, wenn er sich zu jemandem hingezogen fühle, und nicht weiter darüber nachdenken, wie man dieses Gefühl nenne. Er habe einfach eine sexuelle Erfahrung gemacht „with somebody you really loved. It could be that simple.“ Noch ist Franky unsicher. „I don‘t want to make the same mistake you did“, ist seine offen ausgesprochene Befürchtung – an einer Weggabelung im Leben die falsche Entscheidung zu treffen. Doch sein Vater beruhigt ihn: „I don‘t think of it as a mistake, Franky. None of it.“ Und er spricht die Worte aus, die zu hören wohl für jeden jungen Homosexuellen, der sich im Irrgarten seiner Gefühle gefangen sieht, als Erlösung erscheinen würden: „You‘re a good person, Franky. You‘re a fine young man and I‘m really proud to be your dad.“

„Teenage angst“ – der Begriff, der das emotionale und psychische Befinden dieser Jugendlichen kennzeichnet, findet eine seiner eindrucksvollsten Ausprägungen in der Figur des Holden Caulfield in J. D. Salingers Roman Catcher in the Rye (Der Fänger im Roggen, 1951). Holdens Hadern mit sich selbst und dem Sinn seines Lebens hat ganze Generationen an orientierungslosen Jugendlichen begleitet. Es ist kurz vor Weihnachten, als Holden wegen schlechter Leistungen einen Verweis erhält und die Schule vorzeitig verlässt. Auf seiner Flucht vor dem oberflächlichen („phoney“) Verhalten seiner Kameraden, aber auch der Erwachsenen, streift er drei Tage lang ziellos durch Manhattan. Und mögen seine Kommentare über einzelne Menschen oder die Gesellschaft an sich noch so sarkastisch daherkommen und er sich noch so ruppig und abweisend gerieren – in Wahrheit ist Holden auf der Suche nach menschlicher Nähe und so etwas wie Perspektiven für seine Zukunft. Interessant für unsere Spurensuche nach dem Motivationshintergrund schwuler junger Männer ist dabei der Titel des Romans, der auf das Gedicht „Comin‘ Through the Rye“ (1782) des schottischen Lyrikers Robert Burns zurückgeht. Ein Missverständnis des Textes eines Kindesliedes, das auf diesem Poem beruht: In seiner Vorstellung befindet sich Holden in einem Roggenfeld am Rand einer steilen Klippe und versucht, im Feld ahnungslos ob der drohenden Gefahr spielende Kinder vor einem Sturz in den Abgrund zu bewahren. „Catch a body, comin‘ through the rye“ – Holden selbst bräuchte jemanden, der für ihn die schützenden Arme ausbreitet, sein ganzes Verhalten ist nichts als ein Schrei nach Zuwendung und Liebe. Eine solche Vertrauensperson ist für Franky in Giant Little Ones und für Josh in Circus of Books der Vater, für Vincent in Alles wegen Benjamin der Schwimmtrainer. Und in Handsome Devil, der irischen Variante dieser alten, aber immer wieder neu erzählten Geschichte, ein verständnisvoller, selbst verborgen schwul lebender Lehrer.

Das Setting der Oberstufenschulen erfährt hier die geringfügige Abwandlung eines Internats – nicht erst seit Harry Potter die ideale Umgebung zur Erkundung jugendlicher Selbsterfahrungsprozesse. John Butlers Handsome Devil ist trotz seiner ernsten Thematik ein Film so richtig zum Wohlfühlen, wie er im sprichwörtlichen Lehrbuch von schwuler Romantik  steht – was der „Guardian“ als „sentimental feelgoodery“ bezeichnet hat. Zwei sechzehnjährige Jungen, die auf den ersten Blick so gar nichts gemein haben – außer vielleicht, dass sie beide aus dysfunktionalen Familien stammen. Der eine, Ned, als der archetypische schmächtige Außenseiter mit den entzückend abstehenden Ohren und den rotgefärbten Haaren, ob seines Desinteresses am Rugbysport, der in dieser Schule zählt wie sonst nichts, ohnehin vom ersten Moment an von den Mitschülern als Schwuler abgestempelt; der andere, Conor, der Rugbystar und somit ganz oben auf der allgemeinen Beliebtheitsskala. Nicht nur sinnbildlich geht mitten durch das Zimmer, das sie sich teilen müssen, eine „Berliner Mauer“ – was diese mit der Zeit niederzureißen imstande ist, ist ein gemeinsames Interesse, das die beiden Burschen verbindet, es ist die Liebe zur Musik.

Es folgen die ersten Annäherungsversuche und alles geht sehr schüchtern und so behutsam zu, dass auch kein Heterozuschauer dadurch verschreckt werden könnte – was ich mit durchaus sarkastischem Unterton gesagt haben möchte. Auch abgesehen der beiden Protagonisten ist das Figurenpersonal stereotyp: Ein besonders aggressiver Mitschüler, der inspirierende und versteckt schwule Englischlehrer, der homophobe Sportcoach, der auf Conor schon mal mit einem besonders vorurteilsbehafteten Vergleich eindringt: „If you lie down with dogs, you get fleas“, drückt er sein Sentiment gegenüber Ned aus und macht seinen Standpunkt sehr klar: „You’re spending a lot of time with the wrong kind of people.” Auch in die Gegenrichtung, also von der Seite der Toleranz aus, fallen sinnige Sätze wie: „If you spend your whole life being someone else, who is gonna be you?” Und doch weiß uns der Konflikt, der sich für Ned und Conor auftut, als ihnen der Lehrer die Teilnahme an einem Talentwettbewerb in einer benachbarten Mädchenschule vorschlägt, durchaus zu unterhalten; und so verfolgen wir die Höhen und Tiefen der Geschichte mit einem Lächeln im Gesicht und haben sogar ein wenig Herzklopfen, wenn sie unweigerlich auf ein entscheidendes Spiel und dabei auf ein Tor zusteuern, mit dem Conor seine Mannschaft auf die Gewinnerseite schießt, und in der Offenbarung mündet, wie tolerant im Grunde genommen alle doch eigentlich sind. Alles wie gehabt – und doch sehr nett zu verfolgen, was der anmutig-flotten Inszenierung und den überaus sympathischen Darstellern Fionn O’Shea (Ned) und Nicholas Galitzine (Conor) und ihrem liebenswerten Zusammenspiel zuzuschreiben ist. Und so manch wirklich witzigen Dialogen, wie etwa jenem, wenn Conor und der Englischlehrer (Andrew Scott, der Moriatry aus der brillanten Sherlock-Serie), die in einem Schwulenclub zufällig aufeinander getroffen sind, einander im letzten Zug zur Schule in einem herrlich gezwungen ungezwungenen Gespräch einander „a certain degree of discretion“ versichern. Das sind Szenen, die wirklich Spaß machen.

Das hilfreiche Gespräch mit einem Erwachsenen, wie wir es auch in den anderen Filmen verfolgen konnten, findet in Handsome Devil auf dem nächtlichen Rugbyfeld statt – in diesem Fall jedoch mit umgekehrten Vorzeichen: Dem Lehrer vertrauen zu können, tut Ned im Herzen gut, doch in Wahrheit ist hier der Jüngere Vorbild für den Älteren. Es ist Neds Englischlehrer, der der Schritt aus dem Schrank noch nicht gewagt hat, Ned selbst ist ja immer schon sehr offen mit seiner Homosexualität umgegangen. Dass es sich doch nicht um Lügen handle, wenn man gewisse Dinge einfach für sich behalte, meint der Lehrer und es hat den Anschein, als würde er seine Worte selbst nicht glauben. Es sei doch nicht klug, alles über sich preis zu geben – „to protect yourself“. Darauf Neds ungläubige Reaktion: „How on earth can I begin to believe you?“ Später begegnet Ned Conor mit ähnlicher Offenheit. „You don’t have to pick a side, Conor“, versichert er ihm. „You can be everything.“ Und er gibt ihm den ultimativen Ratschlag: „Reveal to them who you are. If you dare.“ Als dann beim großen und alles entscheidenden Rugbyspiel die Mannschaft zu verlieren droht und sich der Trainer gegen Conor stellt – er gehöre nicht ins Team, wäre einfach untragbar –, da wird Handsome Devil zum wunderbaren Märchen: Einer nach dem anderen treten die Mannschaftskollegen auf Conors Seite. Dass er in seiner alten Schule jeden verprügelt habe, der etwas über seine Homosexualität herausgefunden habe, meint Conor, dass er letztlich aber nicht jeden verprügeln konnte und die Schule deshalb verlassen habe. Wegzulaufen: „I’m done with that.“ 

Am Schluss des Films hat auch der Englischlehrer den Mut gefunden, zu sich selbst zu stehen, und wir sehen Ned beim Schreiben eines Essays über seine Erlebnisse – die Voice over schwankt zwischen Ironie und Verletzlichkeit. Den Moment, in dem er sich selbst verleugnet habe, formuliert er, habe wohl schon jeder einmal erlebt. Und doch sei es möglich, mit der eigenen Stimme statt mit einer anderen zu sprechen. Eine Erkenntnis, die auch Damien und Tom in André Téchinés Film Mit siebzehn machen müssen – und bis es soweit ist, beschimpfen und prügeln sie sich, weil die Angst, einander zu umarmen, zu groß ist. Sie werden von Kacey Mottet Klein (Damien) und Corentin Fila (Tom) ohne Angst vor großer Emotionalität und ebensolcher physischer und psychischer Präsenz verkörpert. Eine kleine Stadt in den französischen Pyrenäen, typische Schulszenen und darin die beiden Burschen, die mit der „Zumutung des Erwachsenwerdens“ (Kerstin Decker) nicht zurechtkommen. Zwei sehr unterschiedliche Lebenssituationen: Damiens Mutter ist Ärztin, sein Vater als Soldat im Einsatz in Afghanistan, Tom seinerseits wohnt mit seinen Adoptiveltern auf einem Hof in den Bergen. Die sehr direkte Weise, in der Téchiné seine Geschichte erzählt, hängt mit der Art und Weise zusammen, auf die die Burschen ihre verunsichernden Gefühle zu kompensieren versuchen: zwei, die sich – dieser Eindruck muss für ihre Umwelt unweigerlich entstehen – partout nicht riechen können. Die irritierend aggressive Spannung zwischen ihnen ist geradezu elektrisch geladen – es bedarf des geringsten oder ab und an auch gar keines Anlasses und schon fallen sie mit Fäusten übereinander her. Später werden sie wieder übereinander herfallen, aber nicht, um zu kämpfen; sie werden miteinander eine Nacht verbringen, in der die aufgestaute und fast berstende Begierde ihrer Körper und Sinne im jeweils anderen einen Katalysator findet.

Bis es soweit ist, hält Tom für Damien aber ein wahres Wechselbad an Anreizen und Zurückweisung parat. Toms Mutter muss wegen Problemen mit ihrer Schwangerschaft einige Zeit im Krankenhaus verbringen und Damiens Mutter lädt ihn ein, mit Damien und ihr zu wohnen – Gelegenheit für die Jungen, einander näherkommen. Sie verabreden sich zu einem Kampf in den Bergen, finden dort aber, als es zu regnen beginnt, Unterschlupf in einer Höhle. Ein sehr zarter Moment, als sie sich einen Joint teilen und sich dabei ihre Finger berühren. Schließlich ist es Damien, der die Maske als erster fallen lässt. Er bittet Tom, ihn zu einem Haus zu fahren, wo er ein Date mit einem älteren Mann vereinbart hat und rechtfertigt sich vor ihm mit dem vielsagenden Satz: „Ich musste wissen, ob ich nur auf dich stehe.“ Damit ist eigentlich alles gesagt und doch nichts im Klaren. Tom stößt Damien mit Aussagen wie „Niemand schläft mit mir. Merk dir das.“ und dann auch wieder mit physischer Gewalt zurück. Damien stürzt einen Abhang hinunter und bricht sich die Hand. Als es schließlich im Schulklo zu einem heftigen Kuss kommt, schlägt ihn Tom abermals zusammen. Wunderbar einfühlsam ist seine Mutter in dem folgenden Dialog. Warum Tom so fest zugeschlagen habe, dringt sie in Damien. Weil er ihn küssen wollte, erwidert dieser. Und gleich seine Frage: „Du sagst nichts?“ – „Nein“, antwortet sie und streichelt ihren Sohn zärtlich am Kinn, „ich höre zu.“ Später, als sie allein sind, spricht Damien seine Gefühle Tom gegenüber aus: Er müsse weggehen, denn er liebe ihn, erfahre von Tom aber nur Abneigung. Und: „Ich will kein Mitleid.“ Darauf Tom: „Du nervst. Du redest zuviel. Du kapierst nicht mal, dass ich Angst hatte.“ Womit der Bann gebrochen ist, es zu einem wilden Kuss kommt und zu Sex, der für einen ab zwölf Jahren freigegebenen Film ziemlich intensiv dargestellt wird.

Es gibt da auch diesen Waldsee, in dem Tom selbst im Winter nackt schwimmen geht. Es friert einen schon beim Zuschauen, doch Tom findet in dem eiskalten Wasser wohl jenen Abstand und jene innere Ruhe, die er angesichts seiner aufgewühlten Gefühle so bitter nötig hat. Was uns wieder zu Roman am Boden des Pools im Film Atmen zurückbringt. Denn das müssen sie alle lernen, diese jungen Männer mit ihren Leiden, die ihnen frisch und neu vorkommen, obwohl sie doch so alt sind: zu atmen, wie und wann es für sie einfach passt, kurz also, den Rhythmus ihres Lebens zu finden und selbst zu bestimmen.